© Copyright AK 2012 Weilheimer Tagblatt vom 11.8.1956  Er entdeckte den Eibenwald von Paterzell Dr. Fritz Kollmann feierte 85. Geburtstag — über 700 Gipfel stehen in seinem  Tourenbuch Weilheim (red). Der Senior der Weilheimer Ärzte, Dr. Fritz Kollmann, feierte dieser Tage seinen 85.  Geburtstag. Er ist weit über die Kreisstadt hinaus als Arzt, Bergsteiger und Naturforscher bekannt. Noch  heute ist Dr. Kollmann in seiner Praxis tätig.     Dr. Fritz Kollmann entstammt einer alten Ärzte-familie. Bereits sein Großvater widmete sich dem Arztberuf, sein  Sohn ist bekannter Kinderarzt in Nürnberg und seine Enkelin, zur Zeit noch Gymnasiastin, will ebenfalls Medizin  studieren. „Nur mein Vater ist aus der Art geschlagen" meint der Jubilar lächelnd, „er brachte es nur zum  Apotheker". Dr. Kollmann stammt aus Wolnzach, der Hopfenmetropole in der Hallertau, studierte in München  u. a. bei Prof. Buchner, dem Nachfolger Pettenkofers und kam als praktischer Arzt 1897 nach Weilheim.  Da-mals waren in der Kreisstadt drei Ärzte tätig. „Eigentlich wollte ich Facharzt werden, mein besonderes  Interesse galt der Bakteriologie und der Psychiatrie". Aber dann ergab es sich eben rein zufällig, daß in  Weilheim eine Arztstelle frei war. Dr. Koll-mann ergriff sie und blieb seither unserer Stadt treu. Als Arzt und als  Mensch hat er sich seither viele Freunde erworben.   Neben seinem Beruf galt seine ganze Liebe der Natur. Mit 43 Jahren ging Dr. Kollmann zum ersten Mal in die  Berge. „Später verleitete mich mein Schwiegersohn auch noch zum Klettern", erzählt der rüstige Jubilar, der  noch 1953 seine letzten größeren Touren unternahm. Der Große Waxenstein und das Karwendel sind seine  Lieblingsberge unter den 700 schweren und schwersten Gipfeln, die in seinem Tourenbuch stehen. In den  Bergen begann Dr. Koll-mann dann zu botanisieren, Prof. Dunzinger gab ihm die Anregung dazu. Seinen  Wanderungen ist auch die Entdeckung zahlreicher hochalpiner Pflanzen zu verdanken.  Außerordentliche Verdienste hat sich Dr. Fritz Kollmann um die Alpenvereinssektion Weilheim erworben. Sie  ernannte ihn anläßlich seines 80. Geburtstages zum Ehrenmitglied. Er gründete 1920 die Bergsteigerriege, um  der Sektion wieder einen festen Stamm von Bergsteigern zu sichern. Der Erfolg blieb nicht aus. Die  Tourenberichte jener Zeit melden eine Vielzahl bedeutender Bergfahrten. In Wort und Schrift hat Dr. Kollmann  darüber hinaus seine große Liebe zur Natur und zu den Bergen offenbart. Erst vor wenigen Wochen, als die  Weilheimer Sektion ihren 75. Geburtstag feierte, wurde Dr. Kollmanns Chronik der Sektion vorgetragen.  Aber nicht nur in den Bergen betrieb Dr. Kollmann seine Forschungen. Ihm ist, als sehr wesentliches Verdienst,  die Entdeckung des Paterzeller Eibenwaldes zu verdanken. Ehe er 1908 seine umfangreichen Studien über  dieses Kleinod unserer engeren Heimat veröffentlichte, war in der gesamten Literatur nichts über den Eibenwald  zu finden, lediglich von zwei Eiben bei Zellsee war die Rede. Daß es zweitausend Eiben sind, machte erst Dr.  Kollmann der Öffentlichkeit bekannt. Sie sollten, wenn es nach dem Wunsch des damaligen Dießener Forstamtes  gegangen wäre, geschlagen werden, weil sie „unrentabel“ seien. Dr. Kollmann ist es mit zu verdanken, daß sich  schließlich Königin Therese, die Gattin Ludwigs III in diesen Kampf einschaltete und die Bemühungen der  Botanischen Gesellschaft, der auch Dr. Kollmann angehört, den Eibenwald zum Naturschutzgebiet zu erklären,  Erfolg hatten.  „Nicht zu verhindern war dagegen, daß die vielen schönen Hochmoore mit ihrem unendlichen  Pflanzenreichtum verschwunden sind“ sagt Dr. Kollmann.  Er erinnert sich noch, wie beispielsweise die Ufer. des Jakobsees bei Polling oder das Gebiet um die  Butterbergalm ein einziger blauer Strauß von Pulsatillen waren, die man heute so gut wie überhaupt nicht mehr  findet.  Einige Jahre war der Jubilar auch Gemeindebevollmächtigter von Weilheim. Dieses Gremium, eine Art „zweites  Parlament" neben dem Stadtrat, setzte sich ebenfalls aus 20 Bürgern zusammen. Er verwandte sich übrigens  damals vergeblich dafür, daß die Stadt das gesamte Gelände um den Dietlhofer See mit allen Rechten  erwirbt.  Einen Wunsch sprach Dr. Kollmann noch aus, als er uns einige Tage vor seinem 85. Geburtstag aus seinem  Leben erzählte: er wolle diesen Festtag, möglichst ungestört, nur im Kreis seiner Familie begehen. Weil wir  diesen Wunsch respektieren, kommen unsere herzlichen Glückwünsche um drei Tage verspätet.  [Zurück zur Literaturübersicht] Paterzeller Eibenwald Erika und Albert Kollmann Unsere private Homepage