© Copyright AK 2012 Paterzeller Eibenwald Sonderabdruck aus Mitteilungen II. Bd. Nr. 8 der Bayer. Bot. Ges. zur Erforschung der heim. Flora (1908).  Eiben in der bayerischen Hochebene.  Von Dr. F. Kollmann in Weilheim.  Als das eibenreichste Land Deutschlands dürfen wir heute wohl Bayern bezeichnen. Hier findet sich die Eibe im  bayerischen Walde, dann zahlreich auf den Höhen des Jura von Nürnberg abwärts bis zum Frankenwalde, auf  den Jurahängen bei Kelheim und Regensburg und weit verbreitet auch im ganzen Alpenzuge vom Bodensee bis  zum Königssee, darunter auch prächtige alte Exemplare wie die bekannte im Bärgündeletal und am Seelenkopf  in der Nähe des Hochgrates, wo erst in jüngster Zeit eine Eibe mit 4,40 m Umfang und 7 m Höhe, die wohl die  stärkste Eibe Deutschlands darstellt, gefunden wurde. Aber auch auf der dem Alpenzuge vorgelagerten  bayerischen Hochebene treffen wir noch manche interessante Eibenstandorte, für die allerdings die alten  Angaben Sendtners nicht mehr zutreffen.  Bei dem Interesse, das gerade in jüngster Zeit der Eibenverbreitung entgegengebracht wird, mag es von einigem  Werte sein, diese Angaben für die Jetztzeit richtig zu stellen.  Sendtner gibt für die Hochebene keinen Fundort östlich des Inn an und doch ist die Eibe in den Vorbergen  südöstlich von Rosenheim nicht selten, wenn auch nur in kleineren Bäumen oder Sträuchern anzutreffen. Ferner  findet sie sich in den Wäldern auf der Nordseite des Teisenberges bei Teisendorf in zwar nicht zahlreichen, aber  bis 4 m hohen Exemplaren, die auf gelblich lehmiger Unterlage stehen, weiterhin im Forstholz bei Fridolfing im  Bezirke Tittmoning und bei Traunstein, hier allerdings in den Staatswaldungen nur in einem einzigen ca. 4 m  hohen Exemplare im Alluvium der Traun. Für das Mangfallgebiet wurde das Vorkommen in der Gegend von  Irschenberg und Au (z. B. im Leitnergraben und in größerer Zahl südlich vom Eckersberg) in einer Meereshöhe  von ca. 600 m von Herrn Hauptlehrer Schinnerl und auf einer Exkursion der Bayerischen Botanischen  Gesellschaft im Jahre 1908 festgestellt. Auch im niederbayerischen Flach- und Hügellande findet sich die Eibe  nach Raesfeldt vereinzeint da und dort am Waldesrande oder in wenig zugänglichen Waldungen, ,,aber weder  ein häufiges Vorkommen noch stärkere Exemplare verdienen besonderer Erwähnung". Vereinzelt findet sie sich  auch in der Umgegend von Landshut an den Bergabhängen zwischen Schönbrunn und Stallwang gegen  Wolfstein und in der Gegend von Deutenkofen und Frauenberg. Westlich der Isar ist für die bayerische  Hochebene als Eibenstandort von Weber 1850 Schäftlarn angegeben, doch scheint sie dort in neuerer Zeit nicht  mehr gefunden worden zu sein. Sendtner gibt  die Eibe weiter an für den Anzinger Forst, Andechs, Utting und  Zellsee.  Diese Sendtnerschen Angaben bedürfen nun alle einer Korrektur. Im Anzinger Forste kommt die Eibe heute  nicht mehr vor; wahrscheinlich sind die früher dort gestandenen Bäume Ende der achtziger Jahre den  Nonnenfraßarbeiten zum Opfer gefallen. Auch in der Umgegend von Utting ist von einem urwüchsigen  Vorkommen von Taxus nichts mehr bekannt, wenn sich auch schöne Eiben in der Nähe noch in Gärten und  Parks angepflanzt finden. Ebensowenig mehr kommt die Eibe bei Andechs vor, wo früher ein schöner Bestand  gestanden haben soll. Trotz eifriger Nachforschung konnte sie dort nirgends mehr festgestellt werden.  Dagegen gelang es mir an dem zuletzt erwähnten Standorte Sendtners am Zellsee die Eibe wieder  aufzufinden und zwar in einem Bestände von bisher nicht gekannter Größe und Schönheit.  Schonger kannte aus dem Jahre 1840 dort "nur zwei sehr alte Eiben. In Wirklichkeit beträgt aber deren Zahl  noch Hunderte. Der Zellsee, an dessen Ufer sie einst standen, ist heutzutage verschwunden, er ist fast  vollkommen ausgetrocknet und stellt heute ein mäßig breites, sumpfiges, mit Rohr und Riedgras bestandenes  [Abb. Eibe bei Paterzell.   Höhe 12 m, Umfang 2,64 m.]  Tal dar. An der westlichen Seite dieses Tales erheben sich die sogenannten Forster Höhen, ein Höhenrücken,  der in einer mittleren Meereshöhe von 750 m als Ausläufer .des Hohen Peißenberges nach Norden hinzieht. Auf  dem Plateau dieses Rückens liegt in Einzelnhöfen zerstreut die Gemeinde Forst (St. Leonhard) und am östlichen  Abhang die ebenfalls zur . Gemeinde Forst gehörende Ortschaft Paterzell. Direkt an diesen nur aus wenigen  Häusern bestehenden Ort schließt sich im Norden ein die steil abfallenden Höhen bedeckender Wald an, der in  einer Meereshöhe von 620—700 m zahlreiche Eiben birgt. Er steht zum Teile auf Nagelfluh, zum Teile auf  Tuffkalk, der auch gegenwärtig durch Ausscheiden des Kalkes aus den stark kalkhaltigen Quellen immer noch in  weiterer Bildung begriffen ist und in der Mitte des Waldes in einem Steinbruche ausgebeutet wird. Der  Flächeninhalt des Teiles, auf dem die Eiben stehen, beträgt etwa ½ qkm. Der ganze Wald, namentlich aber sein  unterer, allmählich zur Talsohle abfallender Teil, ist sehr feucht, stellenweise sogar direkt sumpfig und  vornehmlich mit, Fichten, untermischt mit Eiben bestanden. Darunter mischen sich auch einige Buchen und  Ulmen und ein paar alte Pappeln. An den Rändern und namentlich entlang eines im unteren Teile fließenden  Bächleins steht zahlreich Alnus glutinosa. Die Bäume sind meist stark mit Moosen und Flechten bedeckt, die  Gipfel oft abgebrochen, Äste heruntergerissen und am Boden liegend — das Bild einer kleinen Wildnis. Dazu  kommt an manchen Stellen dichtes Unterholz von Berberis, Ligustrum und Cornus, so daß oft das Vordringen  erschwert wird. An krautartigen Pflanzen findet sich besonders zahlreich Heidel- und Preiselbeere, Mercurialis  perennis, dann namentlich im unteren Teile Galium rotundifolium und in großer Zahl Cardamine trifolia,  Eupatorium Cannabinum, Gentiana asclepiadea, auch Prenanthes purpurea und Cephalanthera rubra, an  Riedgräsern namentlich Carex alba in großer Menge und zahlreich auch Carex remota und Carex maxima. Die  Eiben stehen in diesem Walde meist vereinzeint, seltener in Gruppen von 2—3 Stämmen als Zwischenholz unter  den übrigen Bäumen und zeigen durchweg die Baumform. Genaue Angaben über ihre Zahl vermag ich nicht zu  geben. Im oberen Teile des Waldeshabe ich ihrer 250 gezählt; ebenso viele stehen aber auch sicher in den  unteren Waldpartien, wozu dann noch der junge Nachwuchs namentlich am Süd-und Nordende des Waldes  käme, auffallenderweise an Stellen, wo die älteren Bäume fehlen oder doch seltener werden. Männliche und  weibliche Exemplare finden sich in annähernd gleicher Zahl und die weiblichen pflegen Herbste meist auch  zahlreich zu fruchten. Ein großer Teil der Bäume zeigt die bekannten durch Cecidomya taxi  verursachten  Triebspitzengallen und zwar sowohl an weiblichen wie an männlichen Exemplaren,. was ich Löwe und Jaenike  gegenüber,  die glauben, daß der männliche Baum immer verschont bliebe , feststellen möchte. Wie bei den in  dichtem Bestande wachsenden Eiben nicht anders zu erwarten, ist die Wuchsform derselben eine  unregelmäßige. Regelmäßig gebaute, weit ausgebreitete Kronen finden sich deshalb überhaupt nicht; die  Astbildung beginnt meist in einer Höhe von ca. 2 m und sehr oft gabelt sich der Baum in dieser Höhe in zwei  annähernd gleiche Gipfel. Der Stamm ist oft zerrissen, in einem Falle vollkommen in zwei Hälften gespalten ,  häufig spannrückig und auch kernfaul und in seinem Moder wuchert ein Blätterpilz — Mycaena polygramma.  Mancher der Bäume hat durch Sturm und Wetter, mancher auch durch frevelnde Menschenhand seine Krone  eingebüßt, manchem wurden die Äste geknickt und verstümmelt, aber trotzdem regt sich in der überaus weiten  Mehrzahl ein frisches Leben, sie grünen und blühen fröhlich weiter und kahle, abgestorbene Ruinen sind ganz  verschwindende Seltenheiten. Die stärkste Eibe dieses Bestandes hat  [Abb. (nur im Original) Eibe bei Paterzell mit künstlicher Öffnung (21:12 cm), die vielleicht zum Verbergen  von Gegenständen diente.]  einen Umfang von 2,64 m in Brusthöhe, die nächst kleinere maß 2,50 m, eine dritte 2,48 m im Umfange.  Stämme mit mehr als 2 m Umfang habe ich außerdem noch 8, solche mit einem Umfange von 1,60 m bis 2 m  fast ebenso viele gemessen. Jedenfalls aber stehen in diesen Stockdimensionen noch mehr in dem betreffenden  Walde, als ich gemessen habe. Die große Mehrzahl der Eiben hat einen Stammumfang von 50—150 cm; doch  fehlen auch schwächere Exemplare nicht und auch junger Nachwuchs von Bäumchen mit ½ und 1 m Höhe ist  da und dort vorhanden.  Sind wir nun  schon erstaunt so starke Eiben in einer solchen Anzahl beisammen stehend zu finden — meines  Wissens findet sich ein derartiger Bestand sonst nirgends mehr in Deutschland, auch nicht  im  Harz und im  Cisbusch   oder in der Rhön — so müssen wir noch mehr die Höhe der Bäume bewundern, die wir bei den  übrigen urwüchsigen Eiben Deutschlands auch nicht annähernd treffen. Als höchste galt bisher eine im Cisbusch  stehende mit 13,1 m Höhe. Im Walde bei Paterzell aber maß ich — mit Hilfe eines Winkelmessers — Höhen von  11,20.m, 11,80 m, 12,30 m, 13,50 m, zweimal 15 m, einmal 16 m und  einmal sogar etwas über 18 m; das sind  Zahlen, die den höchsten bekannten aus der Normandie (etwas über 18 m) und Englands (19,82 m) nahe  kommen.   Alles in allem genommen darf man also wohl den Bestand von Taxus baccata bei Paterzell als einen der  bemerkenswertesten Deutschlands, wenn nicht als den großartigsten überhaupt, betrachten und man kann nur  wünschen, daß dieser Bestand in seiner eigenartigen Schönheit auch für die Zukunft erhalten bleibt.    Anschließend will ich nur noch über einige weitere Fundorte in der Umgebung Weilheims berichten, die bisher  noch nicht bekannt waren.  Eine größere Anzahl von Eiben — ich habe deren etwa 30 gezählt, doch sind wahrscheinlich in den von mir nicht  begangenen Teilen des Fundortes noch weitere vorhanden — findet sich auch im sogenannten Eyachgraben bei  Eyach östlich von der Bahnstation Huglfing und südlich von Weilheim. Der Eyachgraben ist das in  Molassesandstein bis über 50 m tief eingerissene Bett eines kleinen in die Ammer mündenden Baches, der  Eyach. Die Abhänge dieser Schlucht sind vorzüglich mit Fichten, einzelnen Tannen und Buchen und als  Unterholz mit Weiden, Weißdorn und Liguster bestanden; von krautartigen Pflanzen ist besonders der  Frauenschuh erwähnenswert, der sich dort in zahlreichen Exemplaren findet. Die mittlere Meereshöhe, in der  hier die Eiben stehen, beträgt 600—630 m. Wie bei Paterzell ist auch hier die herrschende Form die Baumform.  Strauchartig habe ich nur eine einzige über 3 m hohe Eibe gefunden. Die baumförmigen sind bei Eyach meist  klein, 1—2 m hoch, nur am Wege, der von Eyach zum Weiler St. Nikolaus führt, stehen ein paar größere von  4—5 m Höhe. Fast alle Eiben, namentlich aber die höheren, sind in einer geradezu entsetzlichen Weise  verstümmelt, so daß sie fast keinen einzigen über ½ m langen Seitenast tragen.  Von diesem Orte stammt vielleicht auch ein Eibenbusch, der im Alluvium der Ammer unterhalb des Gutshofes  Berghof zwischen Fichten und Cornus sanguinca steht. Er ist bis zu 2 m hoch und bedeckt eine Fläche von ca.  50— 60 qm. Die Äste liegen zum großen Teil wie die einer Legföhre dem Boden auf. Dank dem Verständnis und  Entgegenkommen des Besitzers wird dieser Strauch, der durch Abholzen seiner Umgebung bereits gefährdet  war, erhalten bleiben. Eine einzelne ca. 20 cm im Durchmesser haltende Eibe steht auch auf der Anhöhe südlich  vom Staffelsee in der Gemeinde Seehausen bei Murnau und einige weitere, über deren Zahl und Stärke mir  nähere Angaben fehlen, bei Großweil zwischen Murnau und dem Kochelsee.  [Zurück zur Literaturübersicht] Erika und Albert Kollmann Unsere private Homepage