© Copyright AK 2012 Paterzeller Eibenwald Brief Dr. Kollmann vom 4.12.1909 an Graf zu Törring-Jettenbach Erlauchter Herr Graf!                          W.d. 4. Dez. 1909  Gestatten Sie, daß ich Ihnen meinen ehrerbietigsten Dank für Ihr Eintreten für den Paterzeller Eibenwald und  für die Übermittlung der Antwort des k. Staatsministeriums der Finanzen ausspreche. Das Schreiben, das die  Ministerialforstabteilung unter dem 5. Sept. 1908 an den Vorstand der bayer. bot. G. richtete, habe ich bisher  nicht gekannt. Über seinen Inhalt war ich sehr erstaunt, da er in keiner Beziehung den Tatsachen entspricht.  Selbstverständlich liegt es mir vollkommen ferne, die Ausführungen der k. Minist. Forst. Abt. in Zweifel zu  ziehen. Offenbar aber war die k. M.F.A fehlinformiert.  Fürs erste liegt schon der fragliche Tuffsteinbruch nicht mehr bei, sondern fast genau in der Mitte des  Eibenbestandes. Dann aber ist völlig unrichtig, daß er nicht mehr im Betriebe steht. Er ist tatsächlich immer  noch vom k. Forstamte Dießen bis auf den heutigen Tag an einen Privaten verpachtet und wird gerade in den  letzten Jahren viel intensiver ausgebeutet als bisher. Während die aus dem Steinbruch gewonnenen Steine  bisher nur als Baumaterial verwendet wurden, werden dieselben jetzt auch zu Kalk gebrannt und wurde zu  diesem Zweck erst im vorigen Jahre von dem Unternehmer ein eigener Kalkofen gebaut, der sicherem  Vernehmen nach sogar in nächster Zeit vergrößert werden soll, da man angeblich von autoritativer Seite dem  Pächter bedeutet wurde, er könne auch nach Ablauf der Pachtfrist (i. e. 1911) mit neuerlichem Pachtabschluß  rechnen.  Daß dieser Steinbruchbetrieb aber die Eiben gefährdet beweist am besten der Umstand, daß ihm noch vor  wenigen Wochen eine etwa 40cm starke Eibe zum Opfer fiel, weil sie der Auffahrt des Fuhrwerkes etwas  unbequem im Wege stand.  Nach einer mir ... gewordenen Mitteilung sollen übrigens auch Holzknechte Eiben, die ihnen beim Abfahren  des geschlagenen Holzes im Wege standen, umgeschlagen haben und ich habe selbst einen derartigen  durchgesägten Stumpf mit ungefähr 260 Jahresringen gesehen. Aus der Mitteilung, daß in den letzten Jahren  Entnahme von Eibenästen durch Frevler nicht mehr wahrgenommen wurde, zu schließen, daß eine solche  auch tatsächlich nicht stattgefunden hat, wäre unrichtig. An Allerseelen konnte man bis in die letzten Jahre  auf dem Friedhofe der Gemeinde Forst noch häufig Eibenzweige sehen und frisch abgeschnittene Zweige  fand ich bei meinen häufigen Besuchen des Waldes sehr oft am Boden liegen. Besonders krasse Fälle (der  eine aus dem Jahr 1908) habe ich in meiner Arbeit (S. 242) erwähnt.  Daß Eiben, wie angeordnet wurde, allmählig freigestellt werden, habe ich bisher noch nie wahrgenommen  und erst vor wenigen Wochen hat Herr Geheimrat Prof. Dr. v. Goebel, den ich in den Wald führen durfte, sich  verwundert darüber ausgesprochen, daß eine solche Freistellung bisher unterlassen wurde.  Vielleicht darf ich bei dieser Gelegenheit auch noch erwähnen, daß Herr Geheimrat v. Goebel von dem  Besuch des Waldes sehr befriedigt war und ihn als "wirklich eines der interessantesten Vegetationsbilder, die  man in Deutschland sehen kann" bezeichnete.  Außerdem aber habe ich bisher nicht ersehen können, ob es Absicht der k. M. F. A. ist, auch den bisherigen  Plenterbetrieb einzustellen und damit den Wald ganz in seinem natürlichen Zustand zu belassen. Das aber  wäre meiner Ansicht nach das Erstrebenswerte.  Verzeihen, Erlaucht, wenn meine Ausführungen vielleicht etwas ungebührlich lang ausgefallen sind und  entschuldigen Sie es mit meiner Absicht und meinem Eifer einer guten und schönen Sache zu dienen.  E. frl. Erg. Dr.K. [Zurück zur Literaturübersicht] Erika und Albert Kollmann Unsere private Homepage