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Dr. Fritz Kollmann (1871 -1957) -
der Entdecker des Paterzeller Eibenwaldes
Wissenschaftliche Veröffentlichungen von Dr. Fritz Kollmann
(1871-1957)
1896: Privatirrenpflege in Bayern im 19. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation. München 1896.
1898: Ein interessanter Bacterienbefund in einem wegen Myomen exstirpierten Uterus. Münchener medizinische
Wochenschrift, Nr. 5, 1898.
1899: Bayerns Irrenpflege bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Centralblatt für Nervenheilkunde und Psychiatrie, Coblenz
1899.
1899: Zur Casuistik des Tetanus. Münchener medizinische Wochenschrift, Nr. 9, 1899.
1900: Zur Geschichte der Irrenpflege in Bayern. Friedreichs Blätter für gerichtl. Medicin, 1900.
1901: Zur Lehre von der Dysmenorrhoea membranacea. Münchener medicinische Wochenschrift Nr. 37, 1901.
1903: Über Glycosal. Wiener klinische Rundschau, 1903, Nr. 52
1908: Bericht über die Eiben von Paterzell mit Hinweisen auf Fritz Kollmann: F. Bauer: Die Eiben von Paterzell, in Der
Sammler - Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 4. August 1908.
1908: Der Eibenwald bei Paterzell: Unterhaltungsblatt - Gratisbeilage des Weilheimer Tagblatts, Nr. 26, Weilheim 5. April
1908.
1908: Der Eibenwald bei Paterzell: Weilheimer Tagblatt, 1908, Nr. 80
1908: Eiben in der bayerischen Hochebene: Mitteilungen II. Bd. Nr. 8 der Bayer. Bot. Gesellschaft zur Erforschung der heim.
Flora, Ort?, 1908, S. 125-128.
1908: Über die Verbreitung der Eibe und ihren schönsten Bestand in Deutschland. Bericht über einen Vortrag in der Bayer.
Bot. gesellschaft: Augsburger Abendzeitung vom 6.3.1908.
1909: Beobachtungen in der Natur: Naturwissenschaftliche Zeitschrift für Forst- und Landwirtschaft, Ort?, 7. Jahrgang 1909,
Heft 3. (Über ein interessantes Verhalten einer Ringelnatter)
1910: Der richtige Eibenwald bei Paterzell - eine Erwiderung: Mitteilungen II. Bd. Nr. 16 der Bayer. Bot. Gesellschaft zur
Erforschung der heim. Flora, Ort?, 1910, S. 280-283.
1910: Die Eibe (Taxus baccata): Aus der Natur - Zeitschrift für alle Naturfreunde. Leipzig 1910. 6. Jahrg. Heft 13, S. 391 -
400
1910: Die Eibe (Taxus baccata): Aus der Natur - Zeitschrift für alle Naturfreunde. Leipzig 1910. 6. Jahrg. Heft 14, S. 429 -
436
1910: umfangreiche Zitate in K. Ribbeck: Eiben in Deutschland, Kosmos, Stuttgart 1910, 7. Jahrgang, S. 378-383 und 411-
416.
1924: Der Eibenwald von Paterzell: Ammersee-Heimatblätter, Diessen 1924, S. 27 - 34.
* Außerdem: langjährige Beobachtungen über das Wetter in Weilheim
* Bergtagebücher
* Entwurf für ein wissenschaftliches Werk über Alpenpflanzen (Abbildungen von Prof. Dunzinger)
Mein Großvater Dr. Fritz Kollmann wurde im Jahre 1871 in Wolnzach geboren.
Seine Kindheit verlebte er in der Hallertau. Dort weckte der Vater, von Beruf
Apotheker, bereits in jungen Jahren in dem kleinen Sohn Fritz die Liebe zu den
Pflanzen. Nach der Gymnasialzeit in Neuburg an der Donau studierte Fritz
Kollmann Medizin in München. Sein besonderes Interesse galt dabei der
Bakteriologie und der Psychiatrie, darüber hinaus gehörte zum Medizinstudium
damals auch eine besonders gründliche Ausbildung in Botanik.
Nach seiner Approbation im Jahre 1897 ließ er sich in Weilheim als
praktischer Arzt und Bahnarzt nieder und heiratete noch im selben Jahr
Baroness Emmy Baur von Breitenfeld. Im Jahr 1898 wurde dem Paar ein
Sohn geschenkt, im Jahre 1905 eine Tochter.
Die Tätigkeit eines Arztes war auch damals schon recht zeitintensiv, dennoch
ließ Fritz Kollmann seine besonderen Interessen und Neigungen, die Botanik
und später besonders das Bergsteigen, nie zu kurz kommen. Die tägliche
Sprechzeit dauerte von 13-14 Uhr, also tatsächlich nur eine einzige Stunde
am Tag, die übrige Zeit des Tages war hauptsächlich mit Hausbesuchen bei
den Patienten angefüllt, die mein Großvater mit dem Fahrrad unternahm. Oft
genug artete eine Radfahrt zu einem Patienten zu einer richtigen botanischen
Exkursion aus, die er nicht selten auch zusammen mit seinem Sohn unternahm.
Zum Einzugsgebiet des Weilheimer Arztes gehörten auch entlegenere Dörfer,
wie z.B. das etwa 10 km entfernte Paterzell. Eines Tages im Jahre 1907
durchquerte Fritz Kollmann auf der Fahrt zu einem Patienten den dunklen
Wald bei Paterzell und bemerkte als Pflanzenkenner schnell, dass in diesem
Wald außerordentlich viele Eiben wuchsen.
Die botanischen Kenntnisse und sein Hang zur wissenschaftlichen
Gründlichkeit waren es, die Fritz Kollmann veranlassten, über das
Eibenvorkommen in Paterzell nähere Forschungen anzustellen. Schnell
fand er heraus, dass den Eiben von Paterzell bis zu diesem Zeitpunkt
kaum Beachtung geschenkt wurde und dass es noch keine Veröffentlichungen
darüber gab. Nach einer gründlichen Bestandsaufnahme und Kartierung
wurde es Fritz Kollmann klar, dass es sich um das größte kompakte
Eibenvorkommen Deutschlands handelte, was ihn ab 1908 dazu veranlasste,
in mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf die Besonderheit und
Schutzwürdigkeit des Bestandes hinzuweisen. Mit diesen
Veröffentlichungen wurde er zum Entdecker, richtiger sollte man vielleicht
sagen: zum ersten wissenschaftlichen Beschreiber des Paterzeller Eibenwaldes.
Seine besonderen Bemühungen richtete Fritz Kollmann darauf, den Eibenwald
unter Naturschutz zu stellen. In zahlreichen Briefen an bekannte Biologie-Größen,
wie den "deutschen Darwin" Ernst Haeckel, an die Bayerische botanische
Gesellschaft und besonders an das königlich bayerische Staatsministerium der
Finanzen (zuständig für Forstangelegenheiten) forderte er, das Eibenvorkommen
von Paterzell unter Naturschutz zu stellen.
Wie anstrengend der Kampf mit den
bayerischen Behörden war, lässt sich
aus dem mir vorliegenden
Schriftwechsel sehr eindrucksvoll
entnehmen.
Zu welchem Zeitpunkt genau die Bemühungen von Fritz Kollmann zum
Erfolg führten, lässt sich heute nicht mehr genau klären. Da jedoch
dokumentiert ist (vgl. Zeitungsnotiz im Weilheimer Tagblatt vom 11.8.1956 ),
dass die Forstbehörden erst auf die besonders wohlwollende Fürsprache
der naturverbundenen Königin Therese (der Frau von König Ludwig III v
on Bayern) reagierte, lässt sich die Umwidmung zum Naturschutzgebiet
auf die Jahre 1913 bis 1918 eingrenzen, der Regierungszeit von
König Ludwig III.
In den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Fritz Kollmann
zu einem leidenschaftlichen Bergsteiger und zu einem überragenden
Kenner der Alpenpflanzen. In diesen Jahren galt sein ganzes Interesse
den Bergen und Pflanzen.
In den Jahren 1937 bis 1940 arbeitete er zusammen mit dem bekannten
Kunstmaler Prof. Gustav Dunzinger an einer Flora der Alpenpflanzen, die
allerdings wegen des vorzeitigen Todes von Prof. Dunzinger nie
fertiggestellt werden konnte. Eine ganze Mappe von großartigen
Zeichnungen und Aquarellen von Dunzinger, die dieser nach den von
Fritz Kollmann gesammelten Alpenpflanzen anfertigte, gehört heute
zum wohlgehüteten Schatz meiner Sammlung.
Im Jahre 1951 feierte die Alpenvereins-Sektion Weilheim mit einer großen
Festveranstaltung den 80. Geburtstag des Jubilars und ehrte seine besonderen
Bemühungen um den Naturschutz.
Im Jahre 1957 verstarb Fritz Kollmann im Alter von 86 Jahren in Weilheim.
(Kurzfassung eines Vortrages, gehalten von Dr. Albert Kollmann auf der 12. int. Eibentagung in
Kempten am 30.10.2005)
Dr. Fritz Kollmann
(1871 - 1957)
(Selbstportrait,
fotografiert etwa
im Jahr 1935)
Das Ehepaar:
Emmy, geb. Baur
von Breitenfeld
und
Dr. Fritz Kollmann
um 1900
"Eibe mit Henkel"
Photo ca. 1907
Neben der Eibe
Albert Kollmann
(sen.), der Sohn
des Entdeckers
im Alter von
ca. 9 Jahren
"Besonders
mächtige Eibe"
Aufnahme
ca. 1907.
Neben der Eibe
Emmy Kollmann,
geb. Baur
von Breitenfeld,
die Ehefrau des
Entdeckers
"Der Eibenwald
von Paterzell"
verfasst von Fritz
Kollmann 1924 in
den Ammersee
Heimatblättern
Postkarte (Vorder-
und Rückseite)
geschrieben von
dem berühmten
"deutschen Darwin"
Professor
Dr. Ernst Haeckel
an Fritz Kollmann
im Jahre 1908
Königin
Therese von
Bayern. Gattin
König Ludwigs III
von Bayern.
Fritz Kollmann als
Bergsteiger.
Rast auf dem Gipfel
der Riffelwandspitze
(2626m ü.d.M.)
im Zugspitzmassiv.
Aquarell von Prof.
G. Dunzinger" 1935
Chrysanthemum
coronopifolium
Entwurf für das
geplante
Alpenpflanzen-Buch
von F. Kollmann
Beschriftung:
leg. Fritz Kollmann
Knorrhütte
gez. 29. Aug. 1939
Paterzeller Eibenwald
Erika und Albert Kollmann
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